Sebastian Dittrich Kondolenzblog

November 6, 2011

November 2011

Einsortiert unter: Grübeleien — admin @ 9:27 am

Im Sommer 2011 bin ich von der City in den südlichsten Teil von Spandau gezogen – ich lebe nun auf’m Dorf. Das Projekt kann als Mehrgenerationenhaus beschrieben werden. Fünf Leute von 21 bis 71 haben sich ein angemessenes Haus gemietet. Neben mir trauert die 71 jährige Mitbewohnerin um ihren Sohn,der vor 10 Jahren mit 36 an den Folgen seiner Niereninsuffizienz gestorben ist. Wir sind hier nun mal die Aliens. Die Lady macht sich nicht mehr die Mühe,ihre Verfassung dauernd zu erklären. Ich versuche mich gelegentlich in der Moderation mit den anderen Bewohnern. Nichttrauernde wünschen sich,dass die Trauer doch nach einer Weile ein Ende finden könne. Das ist eine Form der Weltfremdheit, die ich akzeptieren kann – ich wünsche mir das nämlich auch. Es läuft nur in der Praxis ganz anders, ein Ende ist eben nicht in Sicht.

Letztes Wochenende habe ich mich mit neuen Leuten in einer Kneipe am Ostreuz getroffen – dort habe ich über Jahre auch mit Schrippe oft gesessen. Dann kam Enya über die Lautsprecher, ich verstummte für fünf Minuten, versank in Erinnerungen. Schrippe mochte diesen Song sehr:  Lustigkeiten verbanden sich mit dem Schlußstrich. Ich konnte dann auch wieder weiter reden und der Abend fand ein konstruktives Ende.

Ich lasse diese Seite hier so stehen,was soll hier nur ein Grabstein? Ausserdem brauche ich diesen Ort immer wieder. Irgendwo muss ich ja “hingehen” können.

1 Kommentar »

  1. Lieber Sebastian,

    Du warst ein Suchender, ein Fragender. Du warst einer der Besten, und oft müssen solche Menschen früher sterben.

    Warum?

    Du hast ein Zeichen hinterlassen, einen Wegweiser, einen bleibenden Eindruck bei allen, die Dich kannten.

    Du hast jetzt die Antwort auf alle Fragen, wir haben sie nicht. Wo immer Du auch bist mit unseren anderen geliebten Toten, jeder Zweifel hat für Euch ein Ende, jeder Schmerz ist für Euch abwesend, jeder Wunsch und jede Sehnsucht ist Euch erfüllt. Ihr leidet nicht, aber wir vermissen Euch schmerzlich, immer, jeden Tag, ohne Ende.

    Vor meiner Haustür brennt heute eine zweite Kerze, für Dich.

    Sebastian – auf immer unvergessen. Es gibt auf der Welt ein großes Meer von Tränen, und ständig werden es mehr. Von uns, für Euch.
    - – -
    Lieber “Zuppi”
    ich denke, Du hast Dich entschlossen, diesen Gedenkblog für Sebastian (für mich ist er zugleich immer noch “Schrippe”, das ist der Name, unter dem ich ihn kennengelernt habe, und lange Zeit wußte ich gar nicht, was dieses Wort bedeutet) hier stehenzulassen. Ich würde es schön finden, denn so bleibt dieser virtuelle Ort zum Gedenken erhalten.

    Ich wünsche Dir persönlich alles Gute und gehe hier nicht weg, ohne auch einen sehr herzlichen Gruß an Sebastians Mutter zu hinterlassen.

    Es gibt ein Sprichwort: “Die Zeit heilt alles Wunden.” Dieses Sprichwort lügt. Der Schmerz bleibt. Er wird vielleicht anders, aber nicht schwächer.

    Kommentar von Regina — Januar 3, 2012 @ 12:43 am | Kommentar


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