Sebastian Dittrich Kondolenzblog

Januar 3, 2009

Ein Jahr

Gespeichert unter: Der Abschied — philolog @ 3:39
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Am 03.01.2008 erhielt ich telefonisch die Todesnachricht von Schrippes Mutter. Es war ein ganz normaler Januarabend. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben einen Suizid ohne Abschiedsbrief. Ich bin nach wie vor ratlos.
Heute Abend treffen sich einige Freunde von Schrippe in Berlin.

UPDATE 04.01.2009

Es war eine  kurzfristig einberufene  Zusammenkunft der Drei Musketiere an einem gemeinsamen Ort, den wir damals mit Schrippe so oft heingesucht haben. Der Vierte war leider malade und konnte nicht dabei sein, beste Genesungswünsche an S ;) .

Das Rad der Zeit dreht sich weiter, Bachelors werden vorbereitet, Auslandsaufenthalte in Nantes  und zukünftige Studien in Süd-Afrika werden berichtet. Ein neuer Erdenbürger hat die Welt betreten, sein Name ist Joshuah. Erlebnisse an „westdeutschen“ Unis werden ausgetauscht.

Die mit Schrippe untrennbar verbundenen Interessensfelder Extremismus und politische Ethik werden auch weiter geführt. Ich bin umzingelt von Sozialdemokraten, sehe mich genötigt, mein „Parteibuch“ aus der Gründungszeit der GRÜNEN – ein gewachster, grüner Papierlappen – in den biographischen Pott zu werfen. Die SPD verteilt nunmehr rote  Mitgliederkarten in Form der Bahncard, das rote Parteibuch ist somit Geschichte. Diskussion libertärer Ideenvertreter:  Zwei lebende Anarchokapitalisten werden angesehen: Stefan Blankertz und Jan Narveson aus Toronto, schon der libertäre Armutsbegriff löst anstössige Assoziationen aus, bis zum Bildungsthema bin ich dann schon garnicht mehr vorgestossen.

Zu vorgerückter Stunde wird der persönliche Umgang mit Schrippes Tod ausgetauscht. Seine sterblichen Überreste sind bei Kiel bestattet. Es scheint keine Frage zu sein, ob die Trauerphasen nach Elisabeth Kübler-Ross durchlebt werden, vielmehr ist deren Abfolge und Intensität sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wir müssen da wohl durch und der Rhythmus des sich Zusammenfindens  etwa alle  6 Monate erscheint hilfreich, um diese bizarre Erfahrung zu verarbeiten. Tja, das Leben ist kein Ponyhof.

Liebe Grüsse an die Mutti, Verwandten, Freunde und Kollegen von Schrippe ;)

2 Kommentare »

  1. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann hat Sebastian heute Geburtstag. Er wäre 28 Jahre alt geworden.

    Deshalb möchte ich, ehe dieser Tag vergeht, seiner noch mit ein paar Worten gedenken.

    Wir sitzen alle im gleichen Zug
    und reisen quer durch die Zeit.
    Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
    Wir fahren alle im gleichen Zug
    Und keiner weiß wie weit.

    Ein Nachbar schläft, ein andrer klagt,
    ein dritter redet viel.
    Stationen werden angesagt.
    Der Zug, der durch die Jahre jagt,
    kommt niemals an sein Ziel.

    Wir packen aus. Wir packen ein.
    Wir finden keinen Sinn.
    Wo werden wir wohl morgen sein?
    Der Schaffner schaut zur Tür herein
    und lächelt vor sich hin.
    Auch er weiß nicht, wohin er will.
    Er schweigt und geht hinaus.
    Da heult die Zugsirene schrill!
    Der Zug fährt langsam und hält still.
    Die Toten steigen aus.
    Ein Kind steigt aus. Die Mutter schreit.
    Die Toten stehen stumm
    am Bahnsteig der Vergangenheit.
    Der Zug fährt, er jagt durch die Zeit,
    und niemand weiß, warum.
    Die 1.Klasse ist fast leer.
    Ein feister Herr sitzt stolz
    im roten Plüsch und atmet schwer.
    Er ist allein und spürt das sehr.
    Die Mehrheit sitzt auf Holz.
    Wir reisen alle im gleichen Zug
    zur Gegenwart in spe.
    Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
    Wir sitzen alle im gleichen Zug.
    und viele im falschen Coupé.

    Kommentar von Regina — Februar 3, 2009 @ 11:42 | Antworten

  2. Leider hat mein PC – offenbar durch einen falschen Tastendruck von mir – den Beitrag vorzeitig abgeschickt.

    Ich möchte noch hinzufügen, daß das obige Gedicht von Erich Kästner ist.

    Und vor allen Dingen:

    Sebastian – auf immer unvergessen.

    Kommentar von Regina — Februar 3, 2009 @ 11:44 | Antworten


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