Die Mutter von Schrippe hat auf der gestrigen Trauerfeier im Krematorium-Ruhleben eine kurze Ansprache zu den Trauernden gehalten.Ich selbst war in der Trauerhalle innerlich zu ergriffen von der Situation,war zu versteinert für irgendwelche Abschiedsworte.
Hier nun die ausführlichen Abschiedsworte von Sebastians Mutter,die gestern durch die tiefe Trauer nicht so ausführlich gesagt werden konnten.

Liebe Freunde, Kollegen und Genossen von Sebastian.
Ich danke Ihnen ganz herzlich, dass sie heute gekommen sind, um mit mir gemeinsam Sebastian die letzte Ehre zu erweisen. Besonders danke ich Herrn Jann, der einen wichtigen Termin im Ausland verlegt hat und Professor Jesse, der aus Chemnitz angereist ist ,genauso wie den Freunden ,die aus ganz Deutschland gekommen sind, davon einige, die Sebastian nur aus dem Internet kannte.
Ich freue mich, dass Sebastian so viele Freunde oder zumindest Bekannte hatte, die ihn vermissen werden und die traurig sind, dass er nun nicht mehr unter uns weilt.
Vor 3 Monaten haben wir erst meine Mutter begraben und wir haben danach über diese Trauerfeier gesprochen. Er hätte es nicht gewollt, dass heute ein fremder Mensch die letzten Worte über ihn spricht.
Übermorgen wäre er 27 geworden. Er hatte sich zum Geburtstag die Schwanensee-CD gewünscht, deshalb hören wir heute Stücke daraus.
Es hieße Eulen nach Athen zu tragen, wenn ich heute über seine guten Eigenschaften sprechen wollte, wie klug, hilfsbereit und verständnisvoll er war. Denn sicher hat fast jeder hier den Trauerblog, welchen sein Freund Zuppi eingerichtet hat oder „Zettels kleines Zimmer“ ,mit welchen er oft im Streitgespräch lag, besucht. Und ich danke den vielen, die dort mit mir trauerten und ihr Zusammentreffen mit ihm schilderten.
Nein, er war kein Held, er war mein Sohn, und einen besseren hätte ich nicht haben können.
Als Junge mochte er es nicht, den Mülleimer rauszubringen oder sein Zimmer aufzuräumen. Aber er stand mir immer zur Seite, egal wie alt er war und wie schlimm es war.
Sogar als er noch nicht geboren war. Mitten in der ML- Prüfung in Potsdam, bekam ich genau zur richtigen Zeit Senkwehen und die Prüfungskommission war froh, als ich wieder draußen war.
Er hat nie geheult, weil er im Kindergarten der letzte war, Mutti musste ja mit Ihren Kollegen einen ganz neuen Betrieb bauen. Aber die Wochenenden gehörten uns und das nutzten wir aus.
An so einem Wochenende gingen wir zu einem Volksfest in Lichtenberg. Irgend eine Familie hatte einen Müllcontainer bestellt, um zu entrümpeln. Obenauf lag ein kleiner Hund. Er wollte unbedingt, dass ihn sein Papa vom Müllcontainer holt. Er weinte und meinte dass der Hund doch dort sterben muß. Alles Reden half nichts. Also holte ich ihn mit spitzen Fingern, besorgte mir am ersten Stand eine Plastiktüte und verstaute ihn darin. Nach 3 Tagen in Seifenwasser und mehrfachen Nähabenden durfte er ihn dann bekommen. Seinen Mülli, er saß viele Jahre auf seinem Bett und beschützte ihn. Er hatte ihm ja das Leben gerettet. Irgendwann kam die Zeit seine Plüschtiere zu verschenken.
Ihn habe ich vor 2 Wochen in seinem Bettkasten gefunden
Als dann eine Illusion zusammenbrach und sein Vater daran, konnte ihm kein Mülli helfen. Es begann für uns eine sehr schwere Zeit. Wir beide rückten immer enger zusammen und standen es durch.
Er wollte eigentlich Informatik studieren, aber Mathe war nicht gerade sein bestes Fach. Also drehte er sein Lebensziel um, Wählte sein Hobby , die Politik, zu seinem künftigen Beruf und die Informatik zu seinen Hobby und beides mit großer Begeisterung.
Wie aufgeregt er immer vor den Prüfungen war und alle ringsum genervt hat. Und dann war es doch immer ein gut oder sehr gut. Und es ging immer weiter so.
Als ich vor über 2 Jahren plötzlich gekündigt wurde, da ich den Betrug des Arbeitsdirektors nicht mittragen wollte, nahm er mich in den Arm und tröstete mich: „Das hast Du völlig richtig gemacht, man muß seinem Gewissen folgen“. Da wurde mir richtig bewußt, wie erwachsen er geworden war.
Wie hat er sich gefreut als ich im Oktober einen neuen Job bekam und dann im Dezember sein Stipendium. Das Leben war für ihn schön und er staunte immer über seinen Erfolg und meinte: „Ich mache doch nur mein Hobby und meinen Job“. Aber das machte er eben mit Begeisterung. Einem Freund im Internet schrieb er“ So kann es ewig weitergehen!“
Leider wird dieser Wunsch nun nicht in Erfüllung gehen und daran trägt nicht er die Schuld, dessen bin ich mir sicher.
Lassen Sie uns noch ein kleines Stück aus Schwanensee hören und dann bitte ich Herrn Professor Jesse und Professor Jann um ein paar Worte des Gedenkens.
PS:
Sollte sich in den nächsten 4 Wochen immer noch keinerlei Ermittlungsfortschritt zeigen,wird Sebastians Mutter ihre Einlassungen an die Berliner Staatsanwaltschaft veröffentlichen.Die Sicherheitsorgane haben sich zur Aufklärung von Schrippes Tod nicht gerade mit Ruhm bekleckert und das ist jetzt noch diplomatisch formuliert.