Ich denke,also bin ich.
Schrippe war immer ein sehr rationaler Mensch, Überzeugungen konnte er immer so hinterfragen, dass ein Argument herauskam, mit dem dann weiter gedacht werden konnte. War das nicht möglich,landete die Überzeugung im Fabelland in einer unteren Denkschublade, nicht vergessen,aber eben erstmal heraus aus dem Kopf. So haben wir uns in der Linken kennen gelernt, in den sog. neuen sozialen Bewegungen,die auch in Deutschland nach dem Machtwechsel von Kohl zu Schröder ein gewisses Wachstum erlebten. In jahrelangen Diskussionen haben wir die revolutionäre Linke durch- und mitgedacht und letztlich ins Fabelland abgelegt, er ging in die Sozialdemokratie,ich hatte mit meinen Parteierfahrungen bei den GRÜNEN in den achtziger Jahren sowieso genug vom Parteileben. Übrig blieben uns die Ebenen im Nachdenken,Diskutieren und Publizieren.Ab und zu gingen wir noch auf Demos, die letzte gemeinsame Manifestation war die stasi 2.0 Demo in Berlin im Hersbt 2007. Im letzten Sommer machte Schrippe ein Praktikum bei einem Verein zur Förderung der Demokratie in Pirna. Das weit verbreitete rechtsextreme Gedankengut in diesem Teil Deutschlands hat ihn sehr schockiert,er wusste schon,was in dieser Region politisch so los war. Aber es ist eben etwas anderes,andauernd mit Menschen zu tun zu haben,die Antisemitismus,Nationalismus und totalitäres Denken ganz alltäglich Leben. Er überprüfte und änderte sein Aufklärungskonzept für diese Region. Schrippe war immer ein Aufklärer,der sich von Denk- und Sprachtabus nicht ausbremsen lassen wollte, der immer die eigene Einsicht gegen externe Verbote bevorzugte: Menschen können ihre Einstellungen verändern,das war sein Credo. Und so hat er auch mit den Menschen diskutiert. Was mir oft wie endlose Geduld vorkam,war für ihn selbstverständlich: Zuhören,hinterfragen,Perspektivenwechsel und eine abschliessende Einschätzung,ob weiterdiskutieren lohnt oder eher doch nicht,so hat er Kontakte nicht nur im politischen Raum gebaut. Wenn ich drohte, bärbeissig zu werden, reichte eine Geste und die Debatte konnte nach einer Zeit doch weiter gehen. Das ist mir nicht immer gelungen,ich bin eben ungeduldig und gehe auch schnell auf die Palme. Aber Schrippe hat so gut wie nie aufgegeben, ausser bei den absolut hoffnungslosen Fällen,aber die waren wohl selten. Gerade bei Diskussionen mit jüngeren Menschen hat er mich dafür öfters tadeln müssen: Das ist wie Welpen verprügeln,sagte er zu mir unter vier Augen und ich schämte mich für mich selbst.
Ich kann jetzt erstmal nicht mehr weiter schreiben …….
