Sebastian Dittrich Kondolenzblog

Februar 4, 2009

Sebastians Geburtstag. Gastbeitrag von Regina

Gespeichert unter: Gastbeiträge — admin @ 6:54
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Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann hat Sebastian heute (03.02.09) Geburtstag.

Er wäre 28 Jahre alt geworden.

Deshalb möchte ich, ehe dieser Tag vergeht, seiner noch mit ein paar Worten gedenken.

Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug
Und keiner weiß wie weit.

Ein Nachbar schläft, ein andrer klagt,
ein dritter redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt,
kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus. Wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tür herein
und lächelt vor sich hin.
Auch er weiß nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Der Zug fährt langsam und hält still.
Die Toten steigen aus.
Ein Kind steigt aus. Die Mutter schreit.
Die Toten stehen stumm
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fährt, er jagt durch die Zeit,
und niemand weiß, warum.
Die 1.Klasse ist fast leer.
Ein feister Herr sitzt stolz
im roten Plüsch und atmet schwer.
Er ist allein und spürt das sehr.
Die Mehrheit sitzt auf Holz.
Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in spe.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug.
und viele im falschen Coupé.

Ich möchte noch hinzufügen, daß das obige Gedicht von Erich Kästner ist.

Und vor allen Dingen:

Sebastian – auf immer unvergessen.

Januar 3, 2009

Ein Jahr

Gespeichert unter: Der Abschied — admin @ 3:39
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Am 03.01.2008 erhielt ich telefonisch die Todesnachricht von Schrippes Mutter. Es war ein ganz normaler Januarabend. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben einen Suizid ohne Abschiedsbrief. Ich bin nach wie vor ratlos.
Heute Abend treffen sich einige Freunde von Schrippe in Berlin.

UPDATE 04.01.2009

Es war eine  kurzfristig einberufene  Zusammenkunft der Drei Musketiere an einem gemeinsamen Ort, den wir damals mit Schrippe so oft heingesucht haben. Der Vierte war leider malade und konnte nicht dabei sein, beste Genesungswünsche an S ;) .

Das Rad der Zeit dreht sich weiter, Bachelors werden vorbereitet, Auslandsaufenthalte in Nantes  und zukünftige Studien in Süd-Afrika werden berichtet. Ein neuer Erdenbürger hat die Welt betreten, sein Name ist Joshuah. Erlebnisse an „westdeutschen“ Unis werden ausgetauscht.

Die mit Schrippe untrennbar verbundenen Interessensfelder Extremismus und politische Ethik werden auch weiter geführt. Ich bin umzingelt von Sozialdemokraten, sehe mich genötigt, mein „Parteibuch“ aus der Gründungszeit der GRÜNEN – ein gewachster, grüner Papierlappen – in den biographischen Pott zu werfen. Die SPD verteilt nunmehr rote  Mitgliederkarten in Form der Bahncard, das rote Parteibuch ist somit Geschichte. Diskussion libertärer Ideenvertreter:  Zwei lebende Anarchokapitalisten werden angesehen: Stefan Blankertz und Jan Narveson aus Toronto, schon der libertäre Armutsbegriff löst anstössige Assoziationen aus, bis zum Bildungsthema bin ich dann schon garnicht mehr vorgestossen.

Zu vorgerückter Stunde wird der persönliche Umgang mit Schrippes Tod ausgetauscht. Seine sterblichen Überreste sind bei Kiel bestattet. Es scheint keine Frage zu sein, ob die Trauerphasen nach Elisabeth Kübler-Ross durchlebt werden, vielmehr ist deren Abfolge und Intensität sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wir müssen da wohl durch und der Rhythmus des sich Zusammenfindens  etwa alle  6 Monate erscheint hilfreich, um diese bizarre Erfahrung zu verarbeiten. Tja, das Leben ist kein Ponyhof.

Liebe Grüsse an die Mutti, Verwandten, Freunde und Kollegen von Schrippe ;)

Oktober 29, 2008

Hallo Zuppi, hallo an alle, die sich hier noch mal sehen lassen.

Gespeichert unter: Der Abschied, Fotos, Gastbeiträge — admin @ 8:34

Nun habe ich den Artikel von Herrn Kopietz gelesen und mir geht es auch nicht besser als vorher.

Noch immer will ich nicht glauben, dass sich mein Sohn das Leben genommen hat. Zu viele Dinge sind bis heute unklar und die konnte auch kein Reporter klären. Manches im Gespräch mit ihm ist wohl etwas verkehrt angekommen und manches sehr privat, aber als Nachruf für Sebastian ist es ganz gut geworden.

Der Zeitpunkt seines Todes konnte wohl nicht genau festgestellt werden, im Polizeiprotokoll ist nichts aufgeführt. Genauso wenig steht was zu den fehlenden Sticks und den rechtsextremen Material aus Österreich ( welches nicht aufzufinden war) in den Unterlagen.

Und was seine Sexualität betrifft, in den vielen Gesprächen die wir hatten, machte er eher den Eindruck eines Suchenden.

Den Vorwurf, dass ich nicht da war, als er mich brauchte, egal was geschehen ist, quält mich wohl für den Rest meines Lebens. An der Wand neben meinem Bett hängt das große Bild von der Trauerfeier und viele kleine. So liege ich abends oft und mache mir meine Gedanken. Er fehlt mir so sehr.

Eine neue Bekannte, der ich meine Geschichte erzählte, war davon sehr berührt.

Eine Woche später erzählte sie mir, dass sie Kontakt mit Toten hat und dass sie von Sebastian geträumt hätte. Wenn junge intelligente Menschen plötzlich sterben, würden sie zu anderen wichtigen Aufgaben gerufen. Wie gern würde ich daran glauben!

Zum Schluss möchte ich mich bei allen bedanken, die mir geschrieben haben. Durch meinen Unfall und die lange Zeit im Krankenhaus konnte ich erst nicht schreiben und als ich dann wieder zu Hause war, gab es Probleme mit meinen PC und ich brauchte eine neue Festplatte. Damit waren alle Emails weg. Das tut mir sehr leid, denn es waren sehr schöne dabei. Danke nochmals.

Schrippes Mutti

Oktober 17, 2008

Schrippes Tod in der Zeitung: Ungeklärte Todesfälle

Der zutändige Zeitungsredakteur hat mir den Veröffentlichungstermin seiner Story zu Kenntnis gegeben: Im Magazin der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung wird Schrippes Tod genauer unter die Lupe genommen. Zwischen der Polizeiakte und den biografisch recherchierten Informationen klafft eine grosse Lücke. Ich bin schon  sehr gespannt ….

Hier der Artikel – der Aufmacher im Magazinteil:

„Gib mal ein Lebenszeichen, wenn du lebst“ – Sebastian Dittrich war ein lebensfroher junger Wissenschaftler. Sein plötzlicher Tod lässt Freunde und Angehörige rätseln: Wer war er wirklich? Von Andreas Kopietz , Berliner Zeitung, Magazin vom 18.10.2008

Leserbriefe: leserbriefe@berliner-zeitung.de

September 3, 2008

Publizistische Bewegung

Gespeichert unter: Fotos, Presse — admin @ 3:01

In den Todesfall von Sebastian aka Schrippe an Neujahr 2008 in Berlin/Spandau scheint etwas publizistische Bewegung zu kommen: Ein Journalist einer grossen Berliner Tageszeitung hat seine Recherchen nun beendet, er wird in kürze einen Artikel veröffentlichen. Mehr Infos bald und hier.

UPDATE 14.10.2008 : Der Artikel wird wahrscheinlich am kommenden Wochenende veröffentlicht.

April 4, 2008

Schrippes Mutti

Gespeichert unter: Vermischtes — admin @ 6:19

hat es um die Osterzeit richtig krass im Rücken erwischt,mit Klinik,ReHa und allem PiPaPo. Von dieser Stelle die besten Genesungswünsche ;)

Februar 2, 2008

Trauerrede von der Mutter

Gespeichert unter: Der Abschied — admin @ 2:16

Die Mutter von Schrippe hat auf der gestrigen Trauerfeier im Krematorium-Ruhleben eine kurze Ansprache zu den Trauernden gehalten.Ich selbst war in der Trauerhalle innerlich zu ergriffen von der Situation,war zu versteinert für irgendwelche Abschiedsworte.

Hier nun die ausführlichen Abschiedsworte von Sebastians Mutter,die gestern durch die tiefe Trauer nicht so ausführlich  gesagt werden konnten.

Trauerfeier1 by Regina

Liebe Freunde, Kollegen und Genossen von Sebastian.

Ich danke Ihnen ganz herzlich, dass sie heute gekommen sind, um mit mir gemeinsam Sebastian die letzte Ehre zu erweisen. Besonders danke ich Herrn Jann, der einen wichtigen Termin im Ausland verlegt hat und Professor Jesse, der aus Chemnitz angereist ist ,genauso wie den Freunden ,die aus ganz Deutschland gekommen sind, davon einige, die Sebastian nur aus dem Internet kannte.

Ich freue mich, dass Sebastian so viele Freunde oder zumindest Bekannte hatte, die ihn vermissen werden und die traurig sind, dass er nun nicht mehr unter uns weilt.

Vor 3 Monaten haben wir erst meine Mutter begraben und wir haben danach über diese Trauerfeier gesprochen. Er hätte es nicht gewollt, dass heute ein fremder Mensch die letzten Worte über ihn spricht.

Übermorgen wäre er 27 geworden. Er hatte sich zum Geburtstag die Schwanensee-CD gewünscht, deshalb hören wir heute Stücke daraus.

Es hieße Eulen nach Athen zu tragen, wenn ich heute über seine guten Eigenschaften sprechen wollte, wie klug, hilfsbereit und verständnisvoll er war. Denn sicher hat fast jeder hier den Trauerblog, welchen sein Freund Zuppi eingerichtet hat oder „Zettels kleines Zimmer“ ,mit welchen er oft im Streitgespräch lag, besucht. Und ich danke den vielen, die dort mit mir trauerten und ihr Zusammentreffen mit ihm schilderten.

Nein, er war kein Held, er war mein Sohn, und einen besseren hätte ich nicht haben können.

Als Junge mochte er es nicht, den Mülleimer rauszubringen oder sein Zimmer aufzuräumen. Aber er stand mir immer zur Seite, egal wie alt er war und wie schlimm es war.

Sogar als er noch nicht geboren war. Mitten in der ML- Prüfung in Potsdam, bekam ich genau zur richtigen Zeit Senkwehen und die Prüfungskommission war froh, als ich wieder draußen war.

Er hat nie geheult, weil er im Kindergarten der letzte war, Mutti musste ja mit Ihren Kollegen einen ganz neuen Betrieb bauen. Aber die Wochenenden gehörten uns und das nutzten wir aus.

An so einem Wochenende gingen wir zu einem Volksfest in Lichtenberg. Irgend eine Familie hatte einen Müllcontainer bestellt, um zu entrümpeln. Obenauf lag ein kleiner Hund. Er wollte unbedingt, dass ihn sein Papa vom Müllcontainer holt. Er weinte und meinte dass der Hund doch dort sterben muß. Alles Reden half nichts. Also holte ich ihn mit spitzen Fingern, besorgte mir am ersten Stand eine Plastiktüte und verstaute ihn darin. Nach 3 Tagen in Seifenwasser und mehrfachen Nähabenden durfte er ihn dann bekommen. Seinen Mülli, er saß viele Jahre auf seinem Bett und beschützte ihn. Er hatte ihm ja das Leben gerettet. Irgendwann kam die Zeit seine Plüschtiere zu verschenken.

Ihn habe ich vor 2 Wochen in seinem Bettkasten gefunden

Als dann eine Illusion zusammenbrach und sein Vater daran, konnte ihm kein Mülli helfen. Es begann für uns eine sehr schwere Zeit. Wir beide rückten immer enger zusammen und standen es durch.

Er wollte eigentlich Informatik studieren, aber Mathe war nicht gerade sein bestes Fach. Also drehte er sein Lebensziel um, Wählte sein Hobby , die Politik, zu seinem künftigen Beruf und die Informatik zu seinen Hobby und beides mit großer Begeisterung.

Wie aufgeregt er immer vor den Prüfungen war und alle ringsum genervt hat. Und dann war es doch immer ein gut oder sehr gut. Und es ging immer weiter so.

Als ich vor über 2 Jahren plötzlich gekündigt wurde, da ich den Betrug des Arbeitsdirektors nicht mittragen wollte, nahm er mich in den Arm und tröstete mich: „Das hast Du völlig richtig gemacht, man muß seinem Gewissen folgen“. Da wurde mir richtig bewußt, wie erwachsen er geworden war.

Wie hat er sich gefreut als ich im Oktober einen neuen Job bekam und dann im Dezember sein Stipendium. Das Leben war für ihn schön und er staunte immer über seinen Erfolg und meinte: „Ich mache doch nur mein Hobby und meinen Job“. Aber das machte er eben mit Begeisterung. Einem Freund im Internet schrieb er“ So kann es ewig weitergehen!“

Leider wird dieser Wunsch nun nicht in Erfüllung gehen und daran trägt nicht er die Schuld, dessen bin ich mir sicher.

Lassen Sie uns noch ein kleines Stück aus Schwanensee hören und dann bitte ich Herrn Professor Jesse und Professor Jann um ein paar Worte des Gedenkens.

PS:
Sollte sich in den nächsten 4 Wochen immer noch keinerlei Ermittlungsfortschritt zeigen,wird Sebastians Mutter ihre Einlassungen an die Berliner Staatsanwaltschaft veröffentlichen.Die Sicherheitsorgane haben sich zur Aufklärung von Schrippes Tod nicht gerade mit Ruhm bekleckert und das ist jetzt noch diplomatisch formuliert.

Januar 23, 2008

Aktion USB-Sticks.Ein Aufruf

Schrippe besass mehrere USB-Sticks,keiner wurde in der Wohnung nach Schrippes Tod  gefunden.

Hat irgendjemand da draussen eine Ahnung,wo sich diese Speichermedien befinden könnten?

Möglicherweise beinhalten diese wichtige Infos,die zur Aufklärung des Todes beitragen können.

Bitte ,meldet euch bei der Familie von Sebastian unter:  kloeppel [ät] gmx [dot] de

Herzlichen Dank

Januar 12, 2008

Die Trauerfeier

Gespeichert unter: Der Abschied — admin @ 10:35

UPDATE

Die BVG streikt heute in Berlin – Bus,U-Bahn und Tram. Die S-Bahn und Regionalbahn fährt aber. Schrippes Mutter hat einen Auto-Shuttle eingerichtet:

Am S-Bahnhof Stresow (das ist eine Station vor S-Spandau) ab 12.30 Uhr wird ein PKW am Taxistand mit dem Schild SEBASTIAN die Trauergemeinde zum Krematorium Ruhleben befördern.

Die Mutti von Sebastian hat gestern mitgeteilt: Die Trauerfeier für Sebastian findet in Berlin statt

Freitag, den 01. Februar 2008
13.00 Uhr
Krematorium Ruhleben
Am Hain 1
13597 Berlin-Charlottenburg

(Anfahrt mit Bus oder S-Bahn: U7 Rathaus Spandau von dort aus M45
U2 Ruhleben von dort aus M45, 131)
Oder seht in Stadtplan.de nach!

Es werden einige Freunde Erinnerungen,Gedanken und Abschiedsworte für
Sebastian vortragen, anschliessend gibt es die Möglichkeit eines kleinen
Beisammenseins.

Sebastian wird dann am künftigen Wohnort seiner Mutter im Familienkreis
beigesetzt.

Die Mutti von Sebastian würde sich freuen,wenn sich die Interessenten für
die Teilnahme an der Trauerfeier hier im Trauer-Blog oder bei ihr per Email
kurz melden könnten.

Januar 11, 2008

Suchen nach Schrippe

Gespeichert unter: Grübeleien — admin @ 11:14

Seit dem 03.01.2008 denke ich immer wieder darüber nach, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. In den Telefonaten der letzten Tage begegnete mir meist ein mir vertrauter, bekannter Schrippe. Ohne den abschliessenden Erkenntnissen der Polizei vorgreifen zu wollen, möchte ich hier einige Gedanken loswerden. Er war ein rationaler Mensch, er hatte ein hohes Mass an Sensibiltät und Einfühlungsvermögen in die Lage seines Gegenüber,er war wissbegierig und niemals vorschnell in seinem Urteil. Ich frage mich seit der Todesnachricht, an welcher Stelle gab es jemals Anhaltspunkte für Todfeindschaften oder einen unglücklichen Aspekt in seinem viel zu kurzen Leben?

Die genauen Tatumstände liegen ja noch weitestgehend im Dunkel und der Polizeibericht wird wenigstens die Tatzeit erhellen. Also ist die Aufstellung von Hypothesen eine verständliche Reaktion der Trauernden.Es liegt kein Abschiedsbrief vor, eine Selbsttötung ist somit nibulös, ich habe die Suizid-Variante in den vergangenen Tagen auch lieber verdrängt, sie hinterlässt sehr viele offene emotionale Fragen,die mit Schuld- und Verantwortungsgefühlen verbunden sind. Die Frage, an welchen Punkten ich als Teil von Schrippes sozialen Umfeld nicht richtig, mehr angemessen oder ganz anders hätte handeln oder reagieren können ist bohrend und letztlich selbstzerstörerisch,sie führt nicht weiter. Aber sie beschäftigt wohl viele Menschen aus seinem Umfeld.

Ich denke auch öfters darüber nach,ob es einen ominösen Unbekannten geben kann,der in den letzten Stunden von Schrippes Leben eine Rolle spielte. Es gab Hinweise – aber keine Beweise -, dass Schrippe am Neujahrstag nicht alleine in seiner Wohnung war. Eine Spekulation, ein verständlicher Erklärungsversuch bei der dürftigen Faktenlage, wohl nicht viel mehr als das??

Was ich auch komisch fand,waren die Störungen im Telefonverkehr im Festnetz im Dezember 2007 – selbst die Todesnachricht erreichte mich erst nach einigen Versuchen seitens Schrippes Mutti,, eine alltägliche Nerverei: Schrippe rief mich an,ich konnte ihn hören,er aber mich nicht.

Seine Befassung mit den ideologisch rechtsextremen Politströmungen war nie ungefährlich, aber hier gibt es eine Abfolge wahrscheinlicher Eskalationsstufen: Warnungen, kriminelle Interventionen unterschiedlicher Intensität bis hin zur Morddrohung. Keiner dieser Schritte gegen Schrippe durch Extremisten ist bekannt.Ich hatte mit Schrippe dieses Thema bei unserem letzten Anruf auf der Agenda, wir haben über den Selbstschutz nachgedacht, weil er nun immer näher an rechtsextreme Strukturen herankam, deren Protagonisten auch heute noch aktiv sein würden. Gemäss dem Sun Tzu Zitat „Kenne Deinen Feind und kenne Dich selbst, dann wirst Du aus 1000 Schlachten unbeschadet hervorgehen“ plante er seine Recherchen in einem politikwissenschaftlich bisher kaum erschlossenen Forschungsfeld. Er musste mit den Publizierenden und den Vertreibern dieser Propaganda in Kontakt gehen, um die Texte zu beschaffen. Für diesen Rechercheteil seiner Arbeit haben wir sichere Beschaffungskanäle angedacht,aber diese Punkte waren noch unausgereift und standen ersteinmal an ihrem Anfang, ein Punkt von vielen für die vermeintlichen Diskussionen im neuen Jahr.

So souverän,selbstsicher und liebenswert Schrippe im kollegialen und freundschaftlichen Umgang auftrat,konnte ich kaum glauben,wie unsicher,unerfahren und manchmal unbeholfen er im Aufbau von engeren,intimeren Beziehungen erschien.Wir haben dieses Thema in den vielen Jahren unserer Freundschaft vielleicht drei oder vier Mal besprochen: Vor mir sass dann ein erwachsener junger Mann, der mir seine schwärmenden Gefühle für einen anderen Menschen zu beschreiben versuchte, was ihm leidlich gelang. Ich fühlte mich an die ersten Gefühlshöllen meiner Pubertät erinnert,wir haben einen pragmatischen Umgang mit diesen Emotionen besprochen und aus der Schwärmerei entstand dann wohl keine Liebesbeziehung, aber eine langjährige Freundschaft.Schrippe sagte oft,“Familie,Garten und ein PKW in der Garage“ seien nicht gerade seine vordringlichen Lebensziele, „zuerst kommt die Wissenschaft,dann kümmere ich mich um den Rest“. Aber worin bestand wohl dieser Rest? Ich weiss es nicht.Ich war auch in den letzten Jahren für diese Thematik kein guter Gesprächspartner. Ich hoffte,in diesen Angelegenheiten bekommt er von Anderen eine Unterstützung. Es hatte nichts mit Schrippe zu tun,aber ich war von den Diskussionen in und über Partnerschaftsauseinandersetzungen einfach ausgebrannt.

Sicherlich hatte Schrippe keine leichte Kindheit,sein Vater starb in seiner Jugendzeit und die Zeit bis dahin war für die Familie eine sehr schwere Zeit.Die Umbrüche in der Wendezeit haben Schrippes Vater zermürbt und die Familie höchstem Stress ausgesetzt. Dieses Klima kann nicht ohne einschneidende Folgen für ihn geblieben sein. Aber ich hatte den Eindruck,er hat diese Erlebnisse gemeinsam mit seiner Mutter,der Familie und seinen Freunden soweit überwunden,so dass er seinen Weg weitergehen konnte.

Soviel ich auch nachdenke,es kommt einfach kein plausibler Gedanke in meinen Kopf,warum Schrippe nicht mehr da ist.

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